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    Ein Besuch im Tal der Könige gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen einer Nilkreuzfahrt und überhaupt eines Ägyptenbesuches.

    Das Tal der Könige ist - trotz aller touristischen Infrastruktur und der Menge von Besuchern - immer noch ein karger, öder und zugleich enorm eindrucksvoller Ort. Wer sich einen ganz persönlichen, emotionalen Einblick in das Fühlen und Denken des Alten Ägyptens verschaffen will, lernt hier mehr, als wenn er reihenweise Fachbücher wälzen würde.

    Das Tal der Könige ist eine Nekropole, also in der Übersetzung eine "Totenstadt". Zwar denkt man unwillkürlich an die Pyramiden, wenn es um die Grabstätten der altägyptischen Gottkönige geht. Tatsächlich wurden aber weit mehr Grabstätten unterirdisch angelegt.

    Nicht alle Grabstätten können besichtigt werden, die Zahl der Besichtigungen pro Besucher ist ebenfalls auf drei limitiert. Man sollte darüber nicht klagen, denn schon der einmalige Besuch ist ein beeindruckendes Erlebnis und so hat der Reisende mehr Zeit, die Atmosphäre dieses Ortes auf sich wirken zu lassen.

    Wobei Atmosphäre schon fast als Übertreibung erscheint, denn außer dem blauen Himmel und einer Zusammenstellung von grauem und braunem Geröll und Felshängen existiert dort nichts. Aber genau das macht den Reiz aus.

    Wer auf einer Nilkreuzfahrt den sagenumwobenen Fluss bis zu den Katarakten hochfährt, bewegt sich meist zwischen von Palmen gesäumten Ufern. Mag sein, dass in der Ferne erste kahle Felsen die Wüste ankündigen.

    Hier, im Tal der Könige, ist der Reisende schon in der Wüste. In einem kargen, lebensfeindlichen Gebiet, das für die Bewohner des Alten Ägypten das Reich des Gottes Seth war, Gebiet der Dämonen, Truggestalten und täuschenden Bilder, die den Menschen verwirren, in die Irre leiten oder ihm gar den Verstand rauben. Die Ordnung und die Gesetze der Menschen und ihrer Götter hatten hier keinen Ort.

    Der Pharao war durch sein Amt der Feind dieser Wüstenwelt.

    Im Tal der Könige findet sich also die doppelte Funktion - der tote Pharao ist Wächter der Menschenwelt, zugleich muss er sie verlassen und seine Seele muss die Prüfungen der Unterweltfahrt auf sich nehmen.

    Wer die steilen Treppen in eine der unterirdischen Grabstellen herabsteigt, aus der blendenden Helligkeit und der Hitze, die sich zwischen den Felswänden speichert, bekommt eine Ahnung von dieser fremden und faszinierenden altägyptischen Welt.